Queerdinx sieht jetzt anders aus
Wie man in zwei Jahren ein Projekt re-designt, sodass es dann immer noch so aussieht wie vorher, aber besser
Queerdinx startete ja bekanntlich als mein Ausbildungs-Abschlussprojekt. Verliebt in eine neu gefundene queere Community und meine frisch entfachte Leidenschaft für Editorial Design führten dazu, dass ich die grundlegende Gestaltung von dem Magazin, was damals noch “Queerdenker*” hieß, festlegte. Bunt sollte es sein. Und gut lesbar. Und gleichzeitig das gebündelte Chaos von Queerness ausdrücken.
Bei den Farben orientierte ich mich an den Pride-Flaggen, die ich im Internet finde. Für die Schriften entschied ich mich für die Futura. Eine Schrift, die alle, die gerade anfangen im Design zu arbeiten, erstmal gut finden und in einer Futura-heavy Phase immer wieder und wieder anwenden – so auch ich. Und als Fließtextschrift die Magallanes, weil … sieht cool aus und passt erstmal. Wie ich zu Logo und Page-Designs und Rasterabständen kam, ist so gut wie gar nicht mehr nachvollziehbar.

Wir springen ins Jahr 2024. Die Queerdinx-Redaktion sitzt zusammen und Veränderung liegt in der Luft. Mir ist klar: Mit einer Konzeptveränderung in Richtung digitales Medium braucht es auch eine Umstrukturierung und Erneuerung unserer Gestaltung. Nach vielen Jahren Studium freue ich mich darauf, neue Erkenntnisse und Vibes in die Gestaltung einfließen zu lassen.
All the Farben of the Rainbow
Ich widme mich zuerst den Farben: Bunt soll es bleiben, aber kräftiger sollen sie sein. Einmal, weil ich die Lieblichkeit der bisherigen Pastellfarben einfach satt hatte und auch, weil es in unserer neuen digitalen Darstellung auch viel um verbesserte Kontraste geht. Damit meine ich: Für eine barriereärmere Gestaltung müssen gewisse Farben gut kombinierbar sein, damit man in eben diesen Farben auch wichtige Informationen kommunizieren kann. Dafür braucht man bestimmte Kontrastwerte, die man erreichen muss. Wer dazu mehr lesen möchte, dem empfehle ich die Beiträge von “gehirngerecht.digital”, zum Beispiel diesen zum Thema barrierefreie Farben.
Die Farben brauchen also mehr Wumms. Ich nehme die alten Farben und schraube an den Kontrastwerten und schaue ob und wie sie zueinander passen. Herausgekommen ist dabei eine neue, frischere Farbpalette mit einigen Neuzugängen. Einige Favoriten bleiben aber auch gleich. Witzigerweise ist die Farbe “Bi Blue”, die schon seit Ausgabe 1 eine große Rolle in unserer Gestaltung spielt, exakt gleich geblieben.
Ich präsentiere:
- New Inter Purple ist ein Lavendelton.
- Gayer Purple ist ein dunkles Lila mit mehr Rotanteil.
- No TERFs Purple ist ein knalliges Lila mit höherem Blauanteil – feministisch, aber richtig.
- Bi Pink ist ein knalliges Pink.
- Gayer Orange ist ein sattes Orange.
- T4T Pink ist ein Rosa, wie man es aus der trans* Flagge kennt.
- Gayer Blue ist ein helleres Königsblau.
- T4T Blue ist ein Hellblau, passend zum Rosa.
- Yearning Green ist ein Smaragdgrün, was sehnsüchtig macht.
- Bi Blue ist ein dunkleres Indigoblau.
- Gayer Green ist ein gelbgrüner Ton.
- Gayer Yellow ist ein knalliges Gelb.
- Gayer Red ist ein sattes Rot, was richtig Alarm macht.

Schnelle Brillen, schnelle Schriften
Für die Schriften war mir von Anfang an klar: Ich brauche hier Hilfe. Glücklicherweise hatte Johanna, die schon bei den Printausgaben tatkräftig mitgestaltet hat (Hallo, Orte-Cover!!) und sich in ihrem Studium auf Type-Design spezialisiert hat, Bock, das Ganze mit in die Hand zu nehmen.
Bei der neuen Auswahl der Schriften ging es viel darum, wie viel Raum unsere Schriften einnehmen werden, welche Elemente der Lesbarkeit bei einer digitalen Veröffentlichung wichtig sind und ob die Schriften schnell genug sind. Letzteres ist vielleicht kein professioneller Begriff, aber wir wussten, was gemeint ist. Wenn eine Brille schnell sein kann, kann das auch eine Font.
Am Ende entschieden wir uns für die Krona One als Headline-Schriftart, die richtig krass viel Raum einnimmt. So, wie auch unsere queerfeministischen Inhalte viel Platz einnehmen sollen!
Die Rubik als dazu passende Fließtextschriftart steht ihr gegenüber als entspannter, optimistischer Gegenpol, der zudem sehr gut lesbar ist.
Und noch viel mehr
Zur neuen Gestaltung gehört natürlich noch viel mehr. In unseren Social Media Posts und auch hier auf der Website begegnen euch nun immer häufiger kleine Sticker und Illustrationen. Die sind SO WHIMSICAL! Ich liebe sie. Generell sind die Sticker eine große Zusammenarbeit des Gestaltungsteams. Einige der Entwürfe stammen von Jona, der sie in den letzten Jahren vor allem in der Social Media Gestaltung eingesetzt hat. Johanna hat die Sticker nochmal überarbeitet und noch ganz viele weitere hinzugefügt. Luke hat dann beispielsweise eine der Illustrationen genommen und sie in 3D gerendert für unser “Unterstützung” Bild. Das ist meiner Meinung nach, was die Gestaltung von Queerdinx ausmacht – eine Spielwiese für Gestaltung, die in gemeinsamer Arbeit entsteht.

Die Gestaltung der Website an sich war natürlich ein weiteres wichtiges Vorhaben. Als Dreh- und Angelpunkt des Magazins wurde hier der Fokus auf eine einfache Gestaltung gelegt, die möglichst barrierearm und dennoch verspielt genug ist, dass sie dazu einlädt, länger zu bleiben. Wie gut uns das gelungen ist, dürft ihr als Leser*innen entscheiden.
Ein Blick über den Tellerrand
Der Podcast, die neue Magazinausgabe an sich und viele Social Media Posts dazwischen – Möglichkeiten, unsere neue Visual Identity anzuwenden und auszuweiten haben wir mehr als genug. Queerdinx war von Anfang an ein Ort, an dem man Dinge künstlerisch ausprobieren und sich ausleben kann. Das soll es auch bleiben und ist eine wichtige Grundlage unserer Arbeit im Gestaltungsteam.
Ich freue mich auf eine neue Ära! Vor allem, wenn dann eure Beiträge da sind und wir ihnen einen visuellen Ausdruck verleihen dürfen. Es bleibt spannend.

Alles Liebe,
Jay aus der Redaktion
Du willst Queerdinx unterstützen?
Wir bei Queerdinx arbeiten alle ehrenamtlich und auch unsere Beitragenden werden aktuell für ihre Arbeit nicht entlohnt. Damit wir vor allem das letzte ändern und unsere laufenden Kosten decken können, brauchen wir Deine finanzielle Unterstützung — einmalig, oder gerne im Abo.
